Überzeugende Leistung

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Quelle: Esslinger Zeitung vom 23.12.2019

Einige Überraschungen beim Weihnachtskonzert der Stadtkapelle

Von Rainer Kellmayer

Das Weihnachtskonzert der Stadtkapelle Plochingen begann mit einer Überraschung: Ralf Krasselt, bis zum Frühjahr Vorsitzender der Stadtkapelle, erhielt eine besondere Ehrung. Er habe „über 26 Jahre im Vorstand, davon 17 Jahre an der Spitze des Vereins, die Stadtkapelle wesentlich geprägt“, sagte sein Nachfolger Philip Schulz und ernannte Krasselt zum Ehrenvorsitzenden. Auch das musikalische Programm der Stadtkapelle barg in der abgedunkelten, nur durch sparsame Bühnenbeleuchtung erhellten Plochinger Stadthalle einige Überraschungen. Getreu dem Konzertmotto „Der Herr der Ringe“ hatte man Teile der gleichnamigen fünfsätzigen Sinfonie, mit der Johan de Meij 1987 die heroischen Helden, die dunklen Bösewichte, aber auch die fantastische Welt der unbeschwerten, fröhlichen Hobbits aus J. R. R. Tolkiens Fantasy-Trilogie treffend in Tönen beschrieben hat, im Zentrum platziert. Dabei beschritt man neue Wege, ließ vom adäquat gewandeten, in einem gemütlichen Sessel sitzenden Erzähler Willi Stuhler zur Musik Teile aus dem Roman lesen.

Spaß für Akteure und Zuhörer

Das Experiment gelang nur bedingt: Zum einen war der Text schwer zu verstehen, zum anderen litten Schönheit und Eindringlichkeit der herrlichen Musik de Meijs durch die darüber gesprochenen Worte. Dabei hatten Dirigent Sebastian Rathmann und seine Instrumentalisten die Sache musikalisch im Griff, leuchteten die Partitur in puncto Dynamik und Klangfarben facettenreich aus. Vielfältiges hatte nach den eröffnenden schmetternden Fanfaren von „Gonna fly now“ aus der Musik zum Film „Rocky“ auch James L. Hosays musikalischer Spaß „Godfather of Seville“ zu bieten. Spritzige Ausschnitte aus Rossinis Ouvertüre zu „Der Barbier von Sevilla“ mischten sich unter gewaltig auftrumpfende Klänge im Stil der Filmmusik zu „Der Pate“ – eine musikalische Satire, die Ausführenden und Zuhörern gleichermaßen Spaß machte. In „Terra Mystica“ spiegelt Thomas Doss die Schönheit des Hausruckviertels in Oberösterreich in drei sehr unterschiedlich konzipierten Sätzen. Dramatische Aufschwünge stehen neben alpenländischen Klängen, Jodler schimmern durch, und auch eine Gesangseinlage darf nicht fehlen. Die Stadtkapelle Plochingen wurde diesen unterschiedlichen Anforderungen gerecht, überzeugte durch dynamische Präzision und stilistische Flexibilität, ehe der moderne Marsch „Sympatria“ von Thomas Asanger den Konzertblock schwungvoll beendete.

Eingangs hatte sich das Vorstufenorchester vorgestellt. Unter der Leitung von Rebecca Laukmichel trugen die Nachwuchsmusikerinnen und -musiker bekannte Weihnachtslieder vor. An anspruchsvollere Literatur wagte sich das von Martin Laukmichel dirigierte Jugendblasorchester. Neben Weihnachtsliedern in modernem Gewand standen die feierlichen choralartigen Klänge des von Siegfried Fietz vertonten Dietrich Bonhoeffer-Gedichts „Von guten Mächten treu und still umgeben“. In Franz Watz‘ Solokonzert Nr. 1 beeindruckte der junge Fagottist Pascal Flaig mit sonoren Fagottklängen, und „Simon’s Song“ von Stephan Hutter erhielt durch die verwobenen Melodien der Saxofonistinnen Meyra Kaleburun und Maren Wenzler eine besondere Note.

Den Abend beschlossen Jugendblasorchester und Stadtkapelle gemeinsam. Besinnlich wurde es bei „White Christmas“, und als Johann Strauß‘ „Radetzky-Marsch“ den markanten Schlusspunkt gesetzt hatte, dankte das Publikum den Ausführenden mit begeistertem Applaus für die durchweg überzeugenden Leistungen.


Text zum Titelbild:
Klangvoller Schlusspunkt: Jugendblasorchester und Stadtkapelle Plochingen musizieren beim Weihnachtskonzert gemeinsam. Foto: Rainer Kellmayer